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Barer47 - Poker in München

Delirium

Von roysflush, 04.11.2007, 4595 Aufrufe, 135 Kommentare | Kommentar hinzufügen

Mir ist heiß. 39,6 °. Ich drehe mich nach rechts. Der Kopf schmerzt, die Nase ist zu, mein Atem flach. jede Bewegung der Lungenflügel produziert einen stechenden Schmerz.

Plötzlich bin ich in Hamburg. Was mach ich hier? Ich stehe bei Jan im Büro. Der läuft auf seinem Laufband und fragt, wann die nächsten Artikel kommen. Ich suche nach den passenden Worten, da ist er aber schon mit telefonieren beschäftigt. Und er läuft, und läuft, und läuft…

Ich muss husten. Das Geräusch, welches ich dabei verursache, klingt wie ein Gewitterdonner mit Schalldämpfer, dumpf, trocken, und dabei schmerzhaft. Ich drehe mich auf die andere Seite… Ich muss an eine doppelt verkettete Liste denken. Oder einfach verkettet? Eher verschränkt, oder? Eine vierstellige Zahl. Wenn ich die greife, gehen 5 neue Felder auf, darunter wieder eine vierstellige Zahl. Wenn ich die vierstellige Zahl dieses neuen Datensatzes mit der vierstelligen Zahl davor kombiniere, gehen wieder 5 Felder auf. Ich muss an historien-gebundene Verschlüsselungsalgorithmen denken… Wo zum Generieren eines neuen Schlüssels immer der alte erforderlich ist, und der alte wieder auf den alten basiert…

Zurück im Büro. Ich gehe zu Klaus ins Zimmer. Der sitzt (im Gegensatz zu Jan) in seinem dicken Sessel vor dem Computer und schaut sich gerade die selbst geschossenen Bilder des Buffets bei der EPT Dublin an. Klaus tut mir in diesem Moment Leid, denn ich weiß, er wird die Wette verlieren. „Schau mal, oh war das lecker. Da musste ich mich gleich viermal anstellen, lol“. Im Hintergrund höre ich, wie Jan auf seinem Laufband einen Gang höher schaltet. Ich überlege gerade, mit wem ich noch eine Side-Bet abschließen könnte, dass Jan gewinnt. Sorry, mate. „Klaus, sei mir nicht böse, aber Du musst abnehmen. Wette hin oder her. So wirst Du nicht alt. Schau Dich an. Du musst ja schon schnaufen, wenn Du nur das Foto von einer Treppe siehst. Das ist einfach nicht gesund!!“ „Mach Dir keine Sorgen, ich habe schon mal 40 Kilo abgenommen, ich weiß also, dass ich es kann“. Schon klar, ich war auch mal jung und schön, das reicht aber nicht….

Ich muss wieder husten. Meine Frau wacht auf und sagt „Du ärmster, Dich hat’s richtig erwischt, hum?“ Meine Nase ist zu, ich muss schnäuzen, Nasenspray hinterher, Luft!! Dann noch einen Teelöffel Hustensaft, und zurück ins Kissen.

Was ist das für eine Wohnung? Ben ist da, drei Kinder. Ben hat Kinder? Es taucht ein Bär auf. Ein Braunbär. Holy shit! Wo ist mein Handy, ich muss ein Foto machen für meinen Blog. Will ihn aber nicht reizen, sollte mein automatischer Blitz losgehen. Der ist schneller als ich, klettert höher und schwimmt besser. Und im Nahkampf hat er auch Vorteile. Er richtet sich auf. Ja, das ist ein Motiv. Ich drücke ab. Bingo. Die Kinder sagen, der sei lieb. Ein Haustier. Hmm, was kostet da wohl das Futter? Oder bin ich deshalb eingeladen? Bin ich eigentlich eingeladen? Oder was mach ich hier. Wir müssen los, sagt Ben. Wohin? Ich habe keinen blassen Schimmer.

Ich dreh mich um … schwitze. Wieder der Algorithmus. Diese verdammten Zahlen. Früher, ganz früher, als ich noch viel programmiert habe, hatte ich manchmal in Source-Code geträumt. So ähnlich ist das hier auch. Allerdings ein komischer Algorithmus. Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich einen Visual Basic Codes unsere iranischen Partners debuggen musste. Aber dieser Algorithmus ist anders. Was ganz eigenes. Nur bei einer einzigen Kombination habe ich das Gefühl, dass alles harmonisch ist, sich alles ineinander fügt. Der Master-Key.

Wir sitzen im Auto. Ben am Steuer. Sein Kopf stößt an der Decke an. Wir fahren Richtung München. Warum fliegen wir nicht? Wem gehört das Auto? Mir? Warum sitze ich dann hinten? Und wie kam das Auto nach Hamburg? Ich bin doch hergeflogen? Ben klärt mich auf „Deine Frau ist mit den Kindern hoch gefahren und zurückgeflogen. Also müssen wir das Auto zurückfahren.“ Warum weiß er das und ich nicht. Und was willst Du in München? Komische Welt. Und jetzt die ganze Strecke mit dem Auto. Oh Mann, das dauert ja mindestens 7 Stunden. Wie spät ist es? Heute sind die Turniere auf Stars.

Ein Hustenanfall schüttelt mich durch. Ahhh, die Bronchen schmerzen. Und meine Speisröhre brennt wie die Hölle, ich muss aufstehen und was dagegen tun. Irgendwo habe ich was gegen Sodbrennen, aber wo? Die Nase ist schon wieder zu. Schnäuzen, Nasenspray, Hustensaft. Ich hasse Erkältungen.

Gestern zum Homegame eingeladen gewesem. Sehr nette Runde. Zwei Leute, die ich noch nicht kannte, aber wie alle hier sehr sympathisch. Vor allen Dingen, da ich nach einer halben Stunde deren Stacks hatte… Zunächst bis 01:00 TH, dann Omaha. Juicy. Um 03:30 nach Hause, mit dicken Taschen. Und einer laufenden Nase. Ein sicheres Zeichen, dass was im Busch ist. Da hat es also angefangen…

Ein Nasenloch ist wieder zu. Ich dreh mich auf die andere Seite. Normalerweise hilft ein Seitenwechsel. Dann wird es langsam wieder frei und man kann gut atmen, bis das andere zu geht…

Ich muss an Hassan denken. Unglaublich krass. Da wird einem im Nachhinein einiges klar. Was passiert jetzt wohl mit dem? Vermutlich nichts. Leider. Aber dennoch gut, dass er erwischt worden ist, das wars dann mit seiner Poker-Karriere…

Oh Mann, das Sodbrennen hört nicht auf. Ich muss das Kopfteil höher stellen. „Schöner Scheiß“ höre ich von rechts. „Ja“, kommt es rasselnd aus meinen „Subwoofern“.

Wieder im Auto. Ben immer noch am Steuer. Rechts von mir Michi, links George. Waren wir nicht gerade noch zu zweit? Auf dem Beifahrersitz Stephan, der alle fünf Minuten raus muss. Magen-Darm-Grippe. Ok, Zeit, mal die dringenden Dinge zu klären: „Jungs, wann kommen die Artikel, wir müssen weiterkommen. Ben, wie wollen wir unser Video planen? Ich brauch Termine“. Weiter vorne steht Katja am Straßenrand, Daumen nach oben. „Halt“, ruf ich. Katja steigt ein. „Hi, na so ein Glück dass ihr gerade vorbeikommt. Konnte heute keinen einzigen Coinflip gewinnen…“.  Ja, schon gehört. Wir kommen in Kassel vorbei. Die Zeit sollte reichen für die Turniere… Die Zahlen wieder…. Immer dieselben Zahlen…. Mir ist heiß. Mach mal das Fenster auf… Omaha-Tisch, ich floppe Nut-Full. Hat sich ausgezahlt…. Zahlen. Zahlen. Zahlen…. 3867….. Zahlen….

Ich wache auf. Der Kopf tut weh, die Lunge schmerzt. Nase schon wieder zu. Es ist 7:00. Scheußliches Wetter draußen.  „Ich glaube, Du solltest heute im Bett bleiben“, sagt meine Frau. Ja, glaube ich auch. Ein paar Stunden Schlaf nachholen sollte helfen, schnell wieder auf dem Damm zu sein. Liegt bestimmt an den verfluchten Klimaanlagen im Flugzeug und Hotel…. „Kommst Du nachher zum Frühstück runter?“. Weiß ich nocht nicht, rasselt es aus meinen Lungen. ….und dann die ganzen erkälteten Leute auf einer Messe, die einem die Hand schütteln, in die sie vorher noch reingehustet haben. Bazillen-Austausch-Center. CeBIT ist da am schlimmsten. Denn da wird auch noch jeden Abend gefeiert. Und getrunken. In Teheran war nix mit „Party like a Rockstar“. Davon träumen die nur…. Und Modern Talking im Taxi, omg.

Morgenabend nach Zürrich. Hoffentlich bin ich bis dahin wieder auf den Beinen. Heute noch ein paar Artikel reviewen. Mit Ben telefonieren, mit Jan Termine klären. Und dann auf weitere Artikel warten von Stephan, Michi, George. Haut rein, Jungs… Und unser Freeroll. Klar. The show must go on.

 

Auflösung Hold’em or Fold’em

 

Ein schnelles Fold oder Call bringt uns hier zunächst nicht weiter. Die Frage, die wir als erste beantworten müssen lautet: Mit welchen Händen machen meine Gegner ein solches Spiel und wie sieht unser AK dagegen aus.

Zunächst mal sieht es ganz danach aus, dass mindestens einer der Spieler AA oder KK hat. Das würde für uns bedeuten, dass wir nur noch in 6,5% der Fälle gewinnen (wenn zum Beispiel der dritte Spieler JTs oder QQ hat). Damit natürlich ein klarer Fold.

Schaun wir uns dennoch auch mögliche andere Situationen an. Was, wenn ein Spieler JJ und der andere QQ hat. Dann haben wir eine 36%ige Chance, zu gewinnen. Und sollten beide Spieler in der Hand bleiben und mit dem Geld, welches bereits im Pot ist, müssten wir callen, denn wir gewinnen in einem von 3 Fällen (sogar ein bisschen öfter). Hat ein Spieler QQ und der andere AKs, sinken unsere Chancen auf 22%. Da brauchen wir dann schon einiges an Dead Money im Pot, dass sich ein call noch lohnt. In diesem Fall wäre das hier auch ein klarer Fold.

So hat sich die Hand letztlich abgespielt:  

Ich war einfach davon ausgegangen, dass trotz der Statistik, die ich über diese Spieler hatte, mindestens einer AA oder KK haben sollte und bin deshalb ausgestiegen. Good fold this time. In einem Turnier, gerade wenn die Spieler unter Druck sind, ist AK in einer solchen Situation deutlich stärker, da Spieler auch mit AQ oder irgendeinem Paar (zumindest mal 88 aufwärts) zu solchen Moves fähig sind.

 

Hold’em or Fold’em

Spieler 1 ist recht solide, und kein leichter Gegner.

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